Das Warnke-Verfahren im SCHULWERK

Das Warnke-Verfahren ist ein Verfahren, mit dem die grundlegenden Fertigkeiten, die die Voraussetzung für einen reibungslosen Schriftspracherwerb bilden, getestet, trainiert und automatisiert werden.

Was ist das Warnke-Verfahren?

Warnke-Verfahren im SCHULWERK - Foto © Fotofreundin/fotolia.com Das Warnke-Verfahren umfasst Testung und Übungen mit dem Brain Boy sowie das Training mit dem Lateraltrainer. Vielfach wird das Training im Bereich der Lese-Rechtschreibschwäche eingesetzt, es dient aber auch der Steigerung der Konzentrationsfähigkeit. Die besondere Wirksamkeit des Trainings beruht auf einem Vorgehen, durch welches das Gehirn spielerisch und intuitiv lernt. Ziel der Therapiemethode ist es, die Low- Level-Fertigkeiten zu automatisieren und die Koordination der beiden Gehirnhälften zu optimieren. Das Warnke-Verfahren ist frei von Nebenwirkungen und die Wirksamkeit verlischt nicht mit Absetzen der Therapie, da automatisierte Abläufe bestehen bleiben. Der Volksmund sagt dazu: “Das Fahrradfahren kann man nicht verlernen“, denn auch alle Aspekte des Fahrradfahrens wie Gleichgewicht halten, treten, lenken usw. laufen automatisch ab, ohne dass man darüber nachdenken müsste.

Wann hilft das Warnke-Verfahren?

Wissenschaftliche Studien belegen, dass lese- bzw. rechtschreibschwache Kinder häufig ein Automatisierungsdefizit in der zentralen Hörverarbeitung aufweisen. Stellt sich nach einer Testung heraus, dass dies bei einem Kind der Fall ist, ist wissenschaftlich erwiesen, dass sich mit dem Warnke-Verfahren auch die Lese- und die Rechtschreibleistung der Kinder signifikant verbessern.

Wie sieht das Training aus?

Das Training nach dem Warnke-Verfahren geschieht mit Hilfe des „Brain Boy“ spielerisch und selbstgesteuert, entweder als Bestandteil der Lerntherapie oder nach einer Einweisung im häuslichen Kontext, ergänzend zur wöchentlichen Lerntherapie.
Außerdem arbeiten wir im Rahmen der Therapie nach dem Warnke-Verfahren mit dem Lateral-Trainer. Dies ist ein Gerät, welches dem Kind seine eigene Stimme über Kopfhörer rückmeldet und diese z.B. bei Problemen der Konsonantendifferenzierung so wiedergibt, dass sie nur hörbar sind, wenn sie exakt artikuliert werden. Zudem wird die Interaktion beider Hemisphären trainiert. Zu diesem Zweck wird die Stimme des Kindes oder des Therapeuten abwechselnd auf dem linken oder rechten Ohr wiedergegeben.

Theoretische Grundlagen

Es gibt eine Reihe wissenschaftlich belegter Zusammenhänge zwischen einer Lese- Rechtschreibstörung bzw. -schwäche und Schwierigkeiten bei verschiedenen grundlegenden Fertigkeiten. Hier greift das Warnke-Verfahren.
Die Kompetenz, Sprache zu verstehen, lässt sich in fünf aufeinander aufbauenden Stufen einteilen. Sätze verstehen wir, indem wir die einzelnen Wörter begreifen; diese zu verstehen beruht auf der Fähigkeit, Silben und Laute wahrzunehmen. Auf der untersten Ebene analysieren wir unbewusst und völlig automatisch unter anderem den zeitlichen Ablauf und die Tonhöhe des Gehörten, die so genannten Low-Level-Fertigkeiten. Besonders auf dieser untersten Stufe haben Kinder mit Problemen beim Lesen und / oder Schreiben häufig gravierende Schwierigkeiten, welche sich dann auf die höheren Ebenen auswirken. Oft fallen Defizite in diesem Bereich lange nicht auf, da sie von den Kindern auf einer anderen Ebene kompensiert werden. Jede Ersatzstrategie geht jedoch auf Kosten der geistigen Ressourcen, sodass andere Leistungen zwangsläufig nicht ohne Anstrengung und fehlerfrei erbracht werden können.
Neun grundlegende Fertigkeiten können mit Hilfe des Warnke-Verfahrens getestet und trainiert werden:

  • 1. Visuelle Ordnungsschwelle:
    Die Zeitspanne zwischen zwei Sehreizen, die benötigt wird, um diese getrennt wahrnehmen und in eine Reihenfolge bringen zu können. Sie spielt eine wichtige Rolle beim Lesen.
  • 2. Auditive Ordnungsschwelle:
    Der kürzeste zeitliche Abstand zwischen zwei Lautreizen, die noch in eine Reihenfolge gebracht werden können. Sie erlaubt uns die Unterscheidung zwischen d / t, b / p und g / k.
  • 3. Richtungshören:
    Wird benötigt, um Geräusche und besonders Sprache aus unterschiedlichen Richtungen gezielt wahrnehmen und zuordnen zu können. In einer Schulklasse liegt der Geräuschpegel zwischen 50 und 60 Dezibel, sodass die einzelne Stimme der Lehrkraft gezielt herausgehört werden muss.
  • 4. Tonhöhenunterscheidung:
    Diese Fähigkeit benötigt man für die Vokalerkennung sowie für die Erkennung von Betonung und Sprachmelodie.
  • 5. Synchrones Fingertapping:
    Die auditiv- motorische Koordination ist z.B. beim Schreiben eines Diktats unerlässlich, da die auditiven Reize sofort in die Handbewegung umgesetzt werden müssen.
  • 6. Wahl- Reaktionszeit:
    Dabei muss so schnell wie möglich eine Entscheidung getroffen werden und die Reaktion darauf erfolgen, z. B. bei der Buchstabenerkennung.
  • 7. Tonfolgenunterscheidung
    Besonders wichtig ist diese Fähigkeit, um bestimmte auditive Laute eindeutig von anderen abgrenzen zu können, z. B. bei Minimalpaaren.
  • 8. Tonlängenunterscheidung
    Die Unterscheidung minimaler Tonlängen- Unterschiede wird hierbei trainiert.
  • 9. Hemisphären-Koordination:
    Beim lateralisierten Synchronlesen wird die Koordination der beiden Hirnhälften verbessert, denn diese ist bei LRS- Kindern häufig beeinträchtigt.

Wissenschaftliche Belege

Zum Warnke-Verfahren sind seit 2001 umfangreiche Studien durchgeführt worden, in denen die Wirksamkeit des Trainings nachgewiesen wurde, u. a. an der Universität Thüringen unter der Leitung von Prof. Dr. Tewes. Der Zusammenhang zwischen Lernstörungen und Defiziten hinsichtlich des Automatisierungsniveaus im Hören, Sehen und der Motorik, welchen Tewes et. al (2003) belegen, bedingt ein Training eben dieser Funktionen, um eine ganzheitliche Verminderung der Lernstörung zu erzielen.

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